das letzte halbe Jahr hat sehr viel zum Nachdenken angeregt. Wer hätte sich an Silvester träumen lassen, dass wir so viele neue Wege gehen müssen.

In unserer Gemeinde müssen wir auch neue Wege gehen! Nicht nur in den äußeren Dingen, wo wir über Schutzkonzepte für Gottesdienste und Veranstaltungen nachdenken, wo wir die Konfirmationen unter Coronabedingungen durchführen müssen. Wir sind uns in der Gemeindeleitung bewusst, dass wir in unserer Zeit gezwungen sind auch innerlich umzudenken. So wie vieles, was wir früher für selbstverständlich hielten und fast in Routine taten, überdacht werden muss, so müssen wir auch ganz neu zum Glauben finden. Auch hier gibt es kein weiter so.

Glaube ist im Schwinden und dem wollen wir entgegenwirken und Zeichen setzen. Wir wollen Euch als unseren Mitgliedern und Freunden in unserer Gemeinde sagen, dass es jetzt auf Euren Glauben ankommt. Er muss wieder eine zentrale Rolle in unser aller Leben spielen. Glaube bedeutet hierbei, dass wir wieder mit Gott rechnen, dass wir ihn wieder mit in unsere Planungen und Vorhaben einbeziehen. Glauben heißt auch, dass wir die Erlebnisse der Gegenwart mit den tiefen Überzeugungen, die in uns verwurzelt sind, in Einklang bringen. Dabei muss viel diskutiert und gesprochen werden. Nun soll man sich in Corona Zeiten nicht so oft treffen. Aber gerade das müssen wir! Wir müssen miteinander sprechen - wir müssen miteinander beten. Wir müssen uns gegenseitig halten und stützen und müssen uns austauschen über den Glauben und über das Leben. Dabei ist die Ermutigung, nicht nachzulassen, sondern in allem ein brennendes Herz für Gott und seine Sache zu haben, ein ganz wichtiger Aspekt.

Glaube wirkt sich mitten im Alltag ganz konkret aus: Am Morgen steht schon die Dankbarkeit für die Bewahrung in der Nacht vor meinem inneren Auge. Ich persönlich brauche zuerst einmal einen Kaffee am Morgen um klare Gedanken fassen zu können. Aber bald danach kommt mir sicher ein gutes Wort Gottes in den Sinn.

Manche nehmen sich die Herrnhuter Losungen zur Hand, denn dort gibt es zwei gute Bibelworte, die einem durch den Tag hindurch begleiten können. Ich lerne im Neuen Testament, dass ich Gott nicht mit langen Gebeten „beglücken“ muss, es reicht immer wieder im Tagesablauf ihn in das einzubeziehen, was mich gerade beschäftigt. Das worüber ich nachdenke, das woran ich arbeite, das, was mir Sorgen bereitet. Auch die unbewältigten Dinge gehören hier dazu. Und dann ganz konkrete Kleinigkeiten des Alltags, vielleicht dass ich einen guten Parkplatz finde oder dass die Dinge terminlich zusammenpassen. Wichtig wäre auch für anstehende Begegnungen zu beten. Kurz und knapp, das was mich beschäftigt, mit Gott in Verbindung zu bringen, das ist gelebter Glaube. Deshalb sei mir die ganz konkrete Anfrage an uns erlaubt, wie oft wir am Tag die Verbindung herstellen zwischen uns, unserem Erleben und unserem Gott, seiner Hilfe, seiner Kraft und seinem Segen. Ohne den geht es nicht!

Gerade in Zeiten, wo sich vieles verändert, brauchen wir ein solches tragendes Fundament, auf dem wir stehen. Ich bin überzeugt, dass uns das sehr viel Sorgen nimmt. Wir werden sehr viel sicherer durch die Tage gehen. Es wird nicht mehr so viel Angst in unseren Herzen sein. Nehmen Sie doch Gott bei seinem Wort und verlassen Sie sich auf ihn. „Befiehlt dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es gut machen“.

Gottes Segen wünscht Ihnen Ihr Gemeindepfarrer Joachim Knab